Ich habe schon vor längerer Zeit von dem Dokumentarfilm Embrace – Du bist schön gehört. Natürlich habe ich mir dann auch verschiedene Trailer angeschaut und ich fühlte mich auch angesprochen. Ich habe auch Probleme mit mir und meinem Körper. Das nicht erst seit dem ich erwachsen bin. Schon in der Kindheit bzw. Jugend hatte ich meine Probleme. Ich wurde gehänselt. Was “Die Dicke da…” oder “Yvonne, die Tonne” und das, obwohl ich gar nicht so dick war als Kind bzw. Teenager. Ich gehörte aber nicht zum Ideal und auch nicht zu den Mädels, die von allen angehimmelt wurden. Ich war eher so der Kumpeltyp. Habe ich auch oft genug gesagt bekommen. Als ich dann mit der Schule fertig war und meine erste Ausbildung in der Apotheke angefangen habe, nahm ich auch ab. Erst langsam, durch die konsequente Bewegung. In der Apotheke war ich praktisch den ganzen Tag auf den Beinen und bin viel gelaufen. Ich hatte somit viel mehr Bewegung, als in der Schule. 

In der Freizeit bin ich natürlich auch spazieren gegangen. Mit unserem Hund zum Beispiel. Oder ich war auch gerne mit dem Fahrrad unterwegs aber das war ja nichts im Vergleich zu acht Stunden auf den Beinen. Logisch… Ich fand es toll, dass ich abgenommen habe. Ich bekam immer mehr Aufmerksamkeit von anderen und endlich hat man mich auch beachtet. Ich war stolz darauf und wollte dann einfach noch mehr abnehmen. Ich habe dann nicht mehr viel gegessen und fing auch an, heimlich zu essen.

Viele Jahre habe ich meinen Körper gehasst. Es war ein Auf und Ab und als ich 16 war, hatte ich 55 Kilo bei 1,72m. Ich fand es toll und hätte gerne noch mehr abgenommen. Da ich aber eine tolle Familie habe, die auch auf mich achtet und die gemerkt hat, dass da was faul ist, haben die natürlich alle auf mich aufgepasst. Schließlich habe ich etwas zugenommen und dann ein Gewicht von 60 Kilo erreicht. Das war okay. Aber gehasst habe ich mich und meinen Körper trotzdem.

Dann wurde ich schwanger

Dann wurde ich schwanger und mit der Schwangerschaft kamen auch einige Kilos dazu. Logisch… Als meine Tochter da war, fing ich an zu Stillen. Da sie echt oft Hunger hatte und ich ziemlich fertig war, nahm ich auch wieder recht fix ab. Das hat meiner Hebamme nicht gefallen und ich konnte auch nicht mehr. Wir sind dann auf die Flasche umgestiegen. Mit dieser Veränderung kamen die Kilos und das mit einer Wucht, die man sich kaum vorstellen kann.

Blöde Sprüche waren Standard

Blöde Sprüche kannte ich ja schon aus meiner Schulzeit aber diese von erwachsenen Menschen zu hören, hat noch mehr weh getan. Sowas setzt sich im Hirn fest, Man fängt an, sich noch mehr zu hassen. “Boar bist Du fett geworden…” kam von einem Kumpel von mir mitten in der Stadt. Oder eine ehemalige Nachbarin frage mich, wann denn dann das zweite Kind kommen würde. Oder ein älterer Mann hier im Dorf rief über die Straße: “Sowas wie Dich hätte es damals nie gegeben..” während ich mit dem Kinderwagen und einer Bekannten spazieren gegangen bin. “Du liegst bestimmt nur faul auf der Couch und stopfst Zeug in Dich rein…Damals gab es sowas nicht!”

Danke, Arschloch!

Es ist doch egal, was andere sagen oder denken

Mir wurde immer gut zugeredet. Vor allem solle ich mir nichts daraus machen, was andere über mich sagen oder denken. Aber das ist wirklich leichter gesagt, als getan. Vor allem, wenn man sich so Sprüche seit der Kindheit anhören muss. Vom Onkel väterlicherseits wurde ich “fetter Otter” genannt. Mein “Vater” sagte zu mir, wenn ich meiner Mama beim Abstauben oder so geholfen habe: “Geh mit Deinem fetten Arsch da weg…” Dann das Gerede von den Mitschülern oder eben von Leuten, die ein Hirn in Erbsengröße haben. Es ist nicht egal, was die sagen denn es verletzt mich. Es hat mich so verletzt, dass ich draußen nichts mehr essen wollte. Kein Eis, kein Brötchen in der Pause etc. Selbst beim Einkaufen habe ich mich beobachtet gefühlt. Ich habe mir immer vorgestellt, dass alle meinen Einkaufskorb begutachten und mit dem Kopf schütteln, wenn da etwas drin ist, was vielleicht nicht aussieht, wie gesundes Essen.

Das macht psychisch krank!

Wenn man nicht stark genug ist und über diese Sprüche nicht lachen kann, macht es einen psychisch krank. Man fängt an, sich zu isolieren. Oder man will auf Teufel komm raus wieder abnehmen, Man fühlt sich nur wertvoll, wenn die Waage wieder etwas weniger anzeigt. bei jedem Essen bekommt man ein schlechtes Gewissen. Man bedeutet ich…das ist Euch bestimmt schon klar. Ich habe vor 2 Jahren toll abgenommen. 16 Kilo um genau zu sein. Und zwar mit Weight Watchers. Doch die haben ihr Programm geändert. Als Vegetarier komme ich damit nicht mehr klar. Werde nicht wirklich satt, habe Magenschmerzen, meine Laune ist im Keller und die Psyche leidet ebenfalls. Also habe ich damit aufgehört. Das Ende vom Lied ist, dass 7 Kilo wieder drauf sind und ich mich schwach, hässlich und fett fühle. Wie damals. Ich habe richtig Probleme mit mir selbst und hasse mich. Depressionen sind wieder meine besten Begleiter und ich bin verzweifelt.

Ich versuche, zu lernen…

Da ich aber merke, dass das so kein tolles Leben ist und das Leben zu wertvoll ist, um sich so verrückt zu machen wegen der Figur, fange ich nun an zu lernen. Ich mache mein Fernstudium zur Ernährungsberaterin. Zusätzlich ein Programm zur Angst- und Stressbewältigung. Dann fange ich an, intuitiv zu essen. Vielleicht werde ich demnächst etwas mehr dazu schreiben. Wenn ich mit meinem Fernstudium fertig bin, werde ich das noch etwas ausbauen. Zusätzlich möchte ich eine Ausbildung zum Personal Coach machen. Ja, ich habe viel vor. Ich möchte alles von Anfang an lernen und ich möchte später anderen Menschen helfen, die genauso leiden oder gelitten haben, wie ich.

Darf ich mich vorstellen?

Danke an alle, die bis jetzt alles gelesen haben. Euch möchte ich mich nun auch ganz offen und ehrlich vorstellen. Die ungeschminkte Wahrheit. Ausgezogen, bis auf mein letztes Hemd und mein Geheimnis verrate ich Euch ganz exklusiv. Ich spreche normal nie darüber, weil ich mich schäme aber das soll sich ändern!

Das bin ich:

Mein Name ist Yvonne, ich bin 39 Jahre alt, 1,72m groß und wiege heute (sagt zumindest meine Waage) 90,0 Kilo. Ich habe früher nicht gerne gegessen, da Essen nur ein Muss war. Mittlerweile weiß ich, dass man Essen genießen kann und auch soll, habe aber trotzdem noch meine psychischen Probleme und bekomme nach dem Essen weiterhin ein schlechtes Gewissen. Aber: Meine Familie liebt mich so, wie ich bin. Mein Mann liebt mich so, wie ich bin. Meine Tochter liebt mich so, wie ich bin. Keiner schämt sich für mich. Keiner betreibt “Body Shaming” oder sagt, ich wäre zu dick. Im Gegenteil…alle sagen, dass ich gar nicht so dick wäre. Man möchte mit mir auch mal ein Stück Kuchen essen können oder ein anständiges Essen anstatt nur einen Salat. Natürlich möchte ich mich wohlfühlen und mein Wohlfühlgewicht erreichen. Daran arbeite ich auch…keine Frage.

Manche fragen sich jetzt bestimmt – Wenn die eh abnehmen will…warum schreibt sie denn dann sowas? Dieser Artikel soll ausdrücken, dass KEIN MENSCH der Welt das Recht hat, über jemanden zu urteilen. Keiner hat das Recht irgendjemandem zu sagen, dass er oder sie zu dick oder zu fett wäre. Wenn die Personen das so empfinden, arbeiten die hart daran, dass sich was ändert. Sie gehen ins Gym (und werden dabei doof angeschaut), sie kaufen sich Diätprodukte und haben Disziplin. Doch wenn dann irgendein Mensch daher kommt und wieder mal Body Shaming betreiben muss, fühlen sich die Menschen schlecht. Und der Teufelskreis beginnt von vorne. So wurden schon zig Mädchen, Frauen, Jungs und auch Männer in die Magersucht getrieben. Wegen solchen dummen Sprüchen! Es gibt übrigens auch Menschen, die sich lieben, wie sie sind… Und diese Menschen haben meinen Respekt verdient. Sie lassen sich von Nichts und Niemanden etwas einreden. Hut ab dafür!!!

Man ist doch Mensch und keine Zahl!

Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ich habe Gefühle, wie jeder andere auch. Muss man mich denn beschimpfen, weil ich nicht dem Ideal entspreche? Müssen Menschen deswegen leiden und psychisch kaputt gehen? NEIN! Hört auf mit dem Mist! Wir sind alle Menschen und nicht irgendeine Zahl auf der Waage oder irgendeine von der Modeindustrie vorgeschlagene Kleidergröße!!!

 

Auf meinem Weg zu mir selbst, könnt Ihr mich sehr gerne weiterhin hier begleiten. Ich möchte endlich anfangen zu leben! Und das ohne dass ich Ängste haben muss, Depressionen mein Leben bestimmen und ohne dass mich andere fertig machen. Es ist MEIN Leben!!!

Ich bin es wert und Ihr seid es auch wert.

Der Film Embrace läuft heute in einigen Kinos. Da ich leider in kein Kino gehen kann, warte ich auf die Dvd Veröffentlichung am 18.05.2017. Die wird gekauft. Vielleicht schreibe ich dann eine kleine Rezension darüber 🙂

Eure Frozen

 

 

1 comment on “Embrace – Du bist schön… Heute im Kino”

  1. Huhu…

    Ach ich könnte dich jetzt umarmen. Endlich mal wieder jemand, der nicht auf das Äußer schaut, sondern auf die Inneren Werte. Und ist doch Egal ob 50-70 oder 90 KG. Selber wiege ich bei 163 auch 70 KG, na und ^^

    Finde deinen Beitrag wirklich toll geschrieben. Von dem Film jedoch, hatte ich bislang noch nichts gehört. War auch schon ewig nicht mehr im Kino muss ich gestehen.

    Alles liebe

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