Ich lese gerne und ich lese viel. Ich lese eigentlich aus jeder Kategorie Bücher. Sie müssen mir allerdings gefallen – mich fesseln und das hat ein bestimmtes Buch mal wieder so richtig geschafft. Inklusive dicker Krokodilstränen und viele Anstupser um richtig intensiv über das Leben und den Tod nachzudenken. Es geht um das Buch von Petra Mikutta “Sie werden lachen. Mein Mann ist tot”. Ich habe einen kleinen Auszug von diesem Buch in einer Zeitung gelesen und muss sagen, dass mich dieser alleine schon so gefesselt hat, dass ich das Buch unbedingt haben musste.Das Buch ist so gesehen ein Überlebensbuch… Wie überlebt man den Tod seines geliebten Partners? Wie fühlt man sich damit? Wie kommt man mit der Tatsache klar, dass man nach dem Aufwachen nie wieder in die Augen seines geliebten Mannes schauen darf? Petra Mikutta erzählt, wie es ihr ergangen ist, als ihr Mann ganz plötzlich verstarb. Beide waren mit dem Rad auf dem Weg zu seine Eltern. Sie freute sich darauf, ihn wieder sehen zu können, ihn küssen zu dürfen, ihn in die Arme zu schließen. Doch das Schicksal hat es anders gewollt…

Als sie bei den Eltern ihres Mannes ankam, war er nicht da. Kein Rad stand an der Hauswand aber plötzlich klingelte das Telefon. Sie solle bite in die Notaufnahme kommen. Dort angekommen wurde sie von einem Mann mit Karpfenaugen empfangen und zwar mit den Worten “Herzliches Beileid”.

Petra Mikutta schildert den Weg zum Intensivzimmer. Wie sie sich dabei fühlte, wie es war, ihren Mann zu sehen. Die Stirn, die sie küsste war noch warm – Finger und Füße waren eiskalt. Die Lippen rissig und sie dachte, ihr Mann hätte Durst. Bat um ein Glas Wasser, um eine Wärmflasche und um eine weitere Decke, damit ihr Mann wieder warm werden würde. Doch das wurde er nicht. Er war tot…

Ich könnte gerade beim Schreiben wieder anfangen zu weinen denn das Buch ist so schonungslos ehrlich und gefühlvoll geschrieben. Wie die Tage nach dem Tod vergehen, wie Petra Mikutta sich gefühlt hat, wie die Mitmenschen mit ihr umgegangen sind…wie wichtig gute Freund während so einer schweren Zeit sind und wie nervig manch andere Menschen sein können, die man sehr gerne auf den Mond schießen würde.

Die Erfahrungen, die sie mit dem Beerdigungsinstitut machte, haben mich sehr berührt. Eine so tolle Bestatterin gibt es selten. Ich könnte Euch hier das ganze Buch erzählen…so fasziniert bin ich davon…so berührt bin ich und so gefesselt hat mich dieses eine Buch. Angefangen mit dem Zeitungsausschnitt und aufgehört mit der letzten Seite des Buches. So viele Gefühle, so viele Emotionen und Gedanken in einem Buch.

Ein Satz, der mich zum absoluten Emotions-Wasserfall werden ließ: “Aber hätte ich die Wahl, ihn nicht gekannt zu haben und darum auch nicht zu leiden, ich würde mich, ohne zu zögern, sofort wieder für ihn entscheiden.”

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Mir hat das Buch mal wieder gezeigt, wie kostbar unser Leben ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass es Menschen gibt, die uns bedingungslos lieben oder die wir bedingungslos lieben. Wir sollten alle unseren Menschen sooft wie möglich sagen, wie sehr wir sie lieben oder lieb haben oder einfach nur mögen. Wir sollten dankbar sein, für jeden kleinen Moment, den wir mit unseren Liebsten erleben dürfen. Wer weiß, wann man sich das nächste Mal sieht oder ob das Schicksal es überhaupt nochmal zulässt, dass man sich noch einmal sieht.

Gelacht habe ich nicht wirklich beim Lesen dieses Buches. Aber ich habe geweint und mitgefühlt. Ich habe vor fast 10 Jahren eine geliebte Person verloren, die für mich eine absolute Bezugsperson ist. Ich vermisse ihn von ganzen Herzen, werde ihn niemals vergessen…so lange ich lebe nicht und er wird auch immer bei uns bleiben. Mitten drin…egal wann, egal wo. Er ist immer da…wir reden viel über ihn. Wie es war, was er sagen würde… Der Verlust tut schrecklich weh. Die Erinnerungen kann mir bzw. uns allen aber keiner nehmen und ich weiß auch, was er mir raten würde, wenn ich ihn jetzt was fragen würde. Intuition, da man sich kennt und er immer für mich da war und auch noch ist. Das weiß ich – er wird uns niemals alleine lassen. Wir lieben und vermissen Dich so sehr…jeden Tag und jeden Tag. Für immer…

 

Sie werden lachen. Mein Mann ist tot. 

Erschienen am 09.03.2015 – Albrecht Knaus Verlag

ISBN: 9783813506549

304 absolut empfehlenswerte Seiten. Legt Euch Taschentücher bereit!

 

5 comments on “Sie werden lachen. Mein Mann ist tot. – Buchrezension –”

  1. Du wirst lachen, oder gleich auch heulen. Aber, genauso ging es vor ca. über einem Monat unsrer Freundin. Wie gänsehautmäßig, dass du nun dieses Buch vorstellst.

    Auch genau dieselben Momente, weil unsre Freundin bei ihrem Mann war und ihn küsste. Nicht nur auf Stirn, nein auch auf den Mund. Er war noch warm und sie war einige Stunden dort. Er war schon tot als sie überhaupt das Zimmer erreichte. Allerdings war die ganze Zeit eine Aufsichtsperson im Raum. Sie wurde zwar immer wieder gefragt, ob sie alleine gelassen werden soll, um mit ihm alleine zu sein. Und meine Freundin meinte jedes Mal “Ja, sie können gerne gehen”. Aber die Frau ging nicht. Das fand meine Freundin sehr schade, dass sie nie mit ihm alleine war…. Ihn küssen, mit ihm reden, ihm sagen, dass sein Essen doch zuhause auf ihn wartet. Und viel mehr, weil sie nunnmal einen herzlichen charakter hat und das Herz auf dem Mund trägt.

    Einige Stunden später war es sehr komisch, und er wurde starr, da konnte sie einfach nicht mehr bleiben… Sie musste gehen.

    Und auch sie hatte sehr viel Glück mit ihrem Bestattungsunternehmen. Du musst dir vorstellen, dieses Bestattungsunternehmen war nur 1 min. von ihrem gemieteten Haus entfernt. Ein Katzensprung. Sie war eine Woche lang, jeden Tag dort und durfte auch wirklich jeden Tag zu ihm. Wir hatten ihm ja vorher die Kleidungsstücke gegeben und der Bestatter hat ihn hübsch gemacht.

    45 Jahre alt war er. Hart gearbeitet. Auf der Arbeit zusammengebrochen. Mein Mann, sein bester Freund, und musste ihn mit jemand anders wiederbeleben. Es gelang. Dann kam der Notarzt. Sie mussten weit weg gehen. Mein Mann hörte nur noch Kammerflimmern. Und mein Mann wusste für diese Momente nicht, wie es da weiter ging. Er wusste nur, er musste mich anrufen, mir sagen, ich solle mich fertig machen, er ist in halben Stunde da. Die Großeltern für unsere Tochter kommen auch gleich und passen auf. Und ich wusste noch nicht mal worum es geht. Ich wartete, meine Schwiegereltern trafen ein… wenig später mein Mann… Wir gingen los, mein Mann erzählte mir kurz, dass es schlecht um …. geht. Wir müssen sofort zu torstens Frau. Als wir vor der Tür standen, kam es mir vor wie ein Film. Was soll man sagen, was kann man tun, man kann doch nur weinen, wie soll man stark sein und alles sagen worum es geht…. sie war nicht zuhause, mein mann rief sie an, er sagte sie solle sofort nach hause kommen…. wir warteten… mein mann sagte kurz das thema.. sie wollte tasche packen… er sagte, lass es, komm wir fahren lieber sofort los.,,,,,,,

    Wir suchten noch nach parkplatz, und chrissi sprang schon raus, lief los.

    wir konnten sie nicht mehr einholen und kamen hinterher.

    sie war weit und breit verschwunden.

    als wir dort ankamen, sagte man uns nur, wir sollen im wartezimmer dort warten. allerdings konnte man uns nichts sagen, es fühlte sich an wie eine ewigkeit. wir wussten, chrissi ist schon da, wir wussten nur nicht ob sie eine schreckensnachricht bekam oder noch bei ihm war, und er lebt…. wir wussten 2 stunden nichts.

    dann kam sie raus. sie wollte eine rauchen. wir rauchten eine mit, wir sind seit jahren nichtraucher. aber für diese schwere zeit musste es sein. in der zwischenzeit stand fest. er ist tot…………

    Chrissi hat an jedem Tag in der Frühe torsten noch einen Kussi gegeben und ist meist mit ihm aufgestanden. An diesem Tag ist sie liegengeblieben und torsten hat ihr noch einen kuss gegeben und sich verabschiedet.

    Mein Mann hätte gerne noch die schönen Momente zum Abschluss gehabt. Er hat leider nur noch die letzten Augenblicke vor sich, als er blau anlief…….

    Nun habe ich genug erzählt…. was so ein buch doch bewirkt 😉

    • Hallo Nancy

      Sorry, weil ich jetzt erst antworte aber mir fehlten einfach die Worte. Du hattest mir ja so etwas in der Art schon angedeutet als ich über die Vibroplatte geschrieben habe, als Du von deinem Mann erzählt hast. Nur das hier war jetzt wirklich ausführlich und ja…es ist Wahnsinn, was solch ein Buch bewirken kann.

      Mir tut das alles so unendlich leid… Ich hoffe, dass Ihr alle (vor allem Eure Freundin) das mit der zeit verarbeiten kann. Zeit heilt keine Wunden und Narben bleiben immer. Es wird auch immer weh tun nur man lernt damit zu leben.

      Im Gedanken drücke ich Euch alle mal… Das Leben kann ganz schön unfair sein 🙁

  2. Hallo
    Ich finde das Buch geschmacklos und pietätlos gegenüber der leiblichen Kinder und deren Familie
    Keine Frage Jeder erlebt seine Trauer anders und jede Trauer hat ihre Berechtigung, aber es gibt Grenzen dessen was man in die Welt posaunt.
    Dieses Buch hat in der Kategorie Trauerbewältigung nichts verloren – das ist meine persönliche Meinung hierzu

    • Hallo “Maria”

      Haben Sie das Buch überhaupt gelesen? Das Buch ist alles andere als pietät- und geschmacklos. Ich finde es eher schlimm, wenn man von manchen Menschen dazu geraten bekommt, zu einer Trauerbewältigungsgruppe zu gehen und dafür noch bezahlen muss. Aber das ist meine Meinung 😉
      Und wie gesagt – kennen Sie das Buch? Kennen Sie die Familie? Woher wollen Sie wissen, ob das nicht sogar abgesprochen ist, was in dem Buch steht und was vielleicht nicht erwähnt wurde?

      Ja, jeder erlebt seine Trauer anders und dieses Buch ist sehr gut. Es beschreibt viele Facetten der Trauer und viele werden sich auch selbst in dem Buch erkennen.

      Bitte lesen Sie das Buch, bevor Sie solche Behauptungen aufstellen.

      Lieben Gruß

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